Rumänienfahrt September 2007
Im September 2007 nutzten sechs Schüler der Initiative Rumänienhilfe die 2. Schulwoche für eine Fahrt nach Rumänien.Nach einer diesmal nur 17-stündigen Fahrt mit einem VW-Bus, den uns das Autohaus Pillenstein freundlicherweise zur Verfügung stellte, wurden wir in Piatra Fintinele bei „unserem“ Projekt mit einem sehr leckeren rumänischen Abendessen begrüßt.
Die folgenden 6 Tage verbrachten wir unter anderem mit Arbeiten am Projekt. So legten wir zwei neue Wege sowie ein neues Beet an und bereiteten die Isolierung der Außenfassade des Küchenhauses vor. Während wir uns über die teilweise sehr ungeraden Außenmauern des neuen Küchenhauses wunderten, wurde unsere wohl sehr exakte Arbeitsweise von rumänischer Seite als „very German“ bezeichnet.
Diejenigen, die bereits an den vorangegangenen Fahrten der Rumänienhilfe teilgenommen haben, bewunderten die großen Fortschritte des Projektes. Während der vorangegangenen Fahrt trugen wir noch palettenweise Steine zur Baustelle, diesmal wurde unser Essen bereits im daraus gebauten Küchenhaus gekocht. Auch einem neuen Wohnhaus für Mitarbeiter des Projektes fehlen nur noch wenige Details wie ein Schornstein, bewohnt wird es schon. Das SIR-Haus (welches von den Schülerinitiativen in Marquartstein, am Wolfgang-Borchert-Gymnasium in Langenzenn und dem Hans-Sachs-Gymnasium in Nürnberg finanziert wurde) wird nun von einer vollständigen Außenfassade vor dem rauen Klima der Karpaten geschützt. Für das Essen steht ein zusätzlicher überdachter Platz mit zwei Esstischen für jeweils bis zu 12 Personen zur Verfügung, die Hühner haben einen neuen Stall und das Grundstück einen neuen Zaun bekommen.
Viel deutlicher noch wurde der Fortschritt, als Alin berichtete, welche Pläne schon umgesetzt wurden und welche noch auf ihre Realisierung warten.
Alin, der Initiator und Leiter des Projektes, wurde in Rumänien geboren und ist mit einer Deutschen verheiratet. Unterstützt wird er bei der Verwirklichung seiner Visionen bei weitem nicht nur aus Rumänien, wo ehrenamtliche Projekte traditionell nicht sehr verbreitet sind, sondern von den Johannitern aus Lauf, den Schülerinitiativen dreier deutscher Schulen, dem Verein Freudenfeuer e.V. und einigen, auch internationalen, Konzernen. So wird deutlich was Alin meint, wenn er sein Projekt als „kein rumänisches, sondern ein europäisches“ bezeichnet. Auch erscheinen Berichte über Alin, der zum Transilvanier des Jahres 2004 und 2005 gewählt wurde, und sein Projekt immer häufiger auch in Medien jenseits der rumänischen Grenzen und zahlreiche „Promis“ haben das Projekt bereits besucht oder kündigten einen Besuch an. Hierzu zählen – um nur eine kleine Auswahl zu erwähnen – der rumänische Präsident Basescu, der spanische Botschafter in Rumänien, der Schauspieler Johnny Depp, der Basketballspieler Marcel Tender und der weltbekannte Fotograph Cosmin Bumbut. Hierdurch wird es Tasuleasa social (dem von Alin gegründeten Verein) erleichtert, das nötige „Kleingeld“ zu sammeln, um das riesige Grundstück zu pachten, die bisher 5 Häuser zu bauen, die laufenden Kosten zu decken, einen Aufenthaltsraum zu bauen und in Zukunft ein 25.000 Euro teures Waschhaus zu planen und zu realisieren. Letzteres ist notwendig, damit das Projekt auch als „Jugendherberge“ für ca. 30 Waisenkinder genutzt werden kann. Diese sollen hier während ihres Aufenthaltes pädagogisch betreut werden und wertvolle Erfahrungen jenseits ihres normalen Alltags machen. Dies ist eines der langfristigen Ziele des Projektes, Völkerverständigung ein weiteres. Doch Alin und seine meist ehrenamtlichen Helfer sind nicht nur langfristig planende „Menschen, die Berge versetzen“ (wie eine nationale rumänische Zeitschrift sie jüngst bezeichnete), sie helfen auch spontan wenn „Not am Mann“ ist. In diesem Rahmen wurde bei den bereits zwei Überschwemmungen dieses Jahres Ersthilfe geleistet. Doch Tasuleasa social geht weiter – es hilft nicht nur die Folgen von Überschwemmungen zu lindern, sondern möchte sie von vornherein verhindern. Ursache der Überschwemmungen ist unter anderem der von Rumänen aus wirtschaftlicher Not betriebene Holzdiebstahl in extremem Umfang. Bereits auf der Hinfahrt begegneten wir zahlreichen mit Baumstämmen beladenen Pferdefuhrwerken – Holzdieben wie wir später erfuhren. Im Laufe der letzten Jahre verlor Rumänien auf diese Weise unvorstellbar große Waldgebiete. Aufforstung ist folglich dringend nötig und um diese noch nachhaltiger zu gestalten werden dabei auch jugendliche Holzdiebe von Tasuleasa social zur Aufforstung motiviert. Des weiteren wurden 10 Schulen bei der Sanierung unterstützt sowie mit Schulmaterial versorgt und Krankenhäuser wurden mit Hilfsgütern beliefert. Langfristig jedoch möchte Tasuleasa social den Transport von Hilfsgütern von Deutschland nach Rumänien durch „Hilfe zur Selbsthilfe“ unter gleichberechtigten Partnern ersetzen.
Doch die Schülerinitiative Rumänienhilfe hilft nicht „nur“ Tasuleasa social bei der Verwirklichung seiner Pläne – immer wieder unterstützten wir auch weitere Einrichtungen. Dank Alin wurden wir dieses Jahr auf zwei Kinderhäuser aufmerksam. Dort leisten Frauen ehrenamtlich rund um die Uhr, was in Rumänien von staatlicher Seite vernachlässigt wird – sie nehmen Waisenkinder sowie stark vernachlässigte Kinder auf und bieten ihnen Perspektiven. Insgesamt unterstützt das Projekt derzeit 20 Kinder im Alter von 2-15 Jahren. Die Berichte über die Herkunft der Kinder waren erschütternd: 2 Kleinkinder hatten erst beide Eltern und dann auch noch die ältere Schwester verloren und waren nun auf sich alleine gestellt, ein anderes wurde von seinem Vater im Stich gelassen und hat eine sehr schwer kranke Mutter. Ein weiteres Kind wurde so sehr vernachlässigt, dass es statt mit Menschen mit Hunden aufwuchs und deren Verhalten übernahm – heute kann es sprechen und laufen, lebt in hygienisch einwandfreien Verhältnissen und ist ein sehr freundliches Kindergartenkind geworden. Die Kinder leben derzeit in 2 Häusern, in denen sie jeweils zu zweit ein Zimmer teilen und Gelegenheit zum Spielen haben. Auch wird ihnen der Besuch des Kindergartens bzw. der Schule ermöglicht und sie bekommen regelmäßige Mahlzeiten. Unterstützt werden die freiwilligen Helferinnen von der Kirche und vielen weiteren Menschen – trotzdem ist das Budget sehr knapp und der Staat legt ihnen mit kostspieliger Bürokratie eher Steine zwischen die Füße als sie zu unterstützen. Die laufenden Kosten werden nur zum Teil durch private Unterstützer sowie Kirchen in Rumänien gedeckt. Auf die Frage, wie wir sie am Besten unterstützen könnten, antworteten die Frauen, dass die größtmögliche Unterstützung Lebensmittel seien. Wir beschlossen daraufhin im Rahmen unserer Möglichkeiten diese Hilfe zukünftig zu leisten.
Abgerundet wurde unsere Fahrt durch zahlreiche Aktivitäten jenseits des eigentlichen Projektes - mit drei rumänischen Schülern und Studenten unternahmen wir Wanderungen durch die traumhafte Landschaft der Karpaten, besuchten Karpatendörfer, eine evangelisch-reformierte ungarische Kirche in Rumänien sowie ein Kloster und verbrachten mehrere Abende gemeinsam mit Rumänen unseren Alters am Lagerfeuer. Letzteres nutzen wir für regen (englischsprachigen) Austausch über alle möglichen Themen – unter anderem das Alltagsleben in Rumänien.
Insgesamt war die Fahrt ein tolles Erlebnis und eigentlich wären die meisten am Liebsten länger dort geblieben.